Pressefreiheit und Medienvielfalt sind wesentliche Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft. Doch damit journalistische Inhalte ihre Wirkung entfalten können, müssen sie die Menschen auch erreichen. Hier setzt sharemagazines an: Als digitale Plattform verbindet das Unternehmen Verlage mit Leser*innen und ermöglicht den Zugang zu einem vielfältigen Angebot an Zeitungen und Zeitschriften.
Eine zentrale Rolle spielt dabei Götz Spielhagen. Als Director Content verantwortet er seit Oktober 2017 die Zusammenarbeit mit den Verlagspartnern von sharemagazines und bringt langjährige Erfahrung aus der Medienbranche mit. Im Interview spricht er darüber, wie die Titelauswahl entsteht, warum es wichtig ist, auch jenseits der eigenen Lesegewohnheiten neue Inhalte zu entdecken, und welchen Beitrag digitale Plattformen zur Medienvielfalt leisten können. Dabei geht es auch um die Grenzen dieses Angebots und die Verantwortung im Umgang mit journalistischen Inhalten.
Lieber Götz, was macht ein Content Direktor bei sharemagazines?
Zusammen mit meinen Publishing Team kümmere ich mich darum, dass wir ein abwechslungsreiches, breitgefächertes und hochwertiges Angebot an Inhalten haben. Mit anderen Worten, einem möglichst optimalen Mix aus Qualität und Quantität von Tageszeitungen und Zeitschriften. Mit Verlagen habe ich somit viel zu tun. Angefangen von der Verbindungsaufnahme, über die Vertragsabschlüsse bis zur Betreuung der Verlage in allen Belangen, was unsere Zusammenarbeit betrifft. Mit Lesenden direkt habe ich so gut wie nie zu tun. Eher über Umwege. Zum Beispiel, wenn sich Leserende über unsere Kunden an uns wenden oder wenn ich mir die Nutzugsdaten ansehe, welche Zeitungen und Zeitschriften bei uns am öftesten oder am längsten gelesen werden.
Wie entsteht unsere Titelauswahl? Wer entscheidet, was drin ist, und nach welchen Kriterien?
Am wichtigsten sind die konkreten Kundenwünsche. Ein Hotel oder auch ein Krankenhaus meldet sich bei unserem Vertrieb und teilt uns seine Wünsche mit. Entweder nach konkreten Tageszeitungen oder Zeitschriften, oder auch nach einem Segment, z. Bsp. einer bestimmten Freizeitbeschäftigung wie Kochen oder eine bestimmte Sportart. Um diese Wünsche schnellstmöglich zu erfüllen, nehmen wir Verbindung zu den jeweiligen Verlagen auf. Natürlich gibt es immer wieder auch Wünsche aus unserem eigenen Team, wenn jemandem eine bestimmte Zeitschrift oder Zeitung aufgefallen ist. Und erfreulicherweise kommen immer öfter Verlage auf uns zu und bitten uns, ihre Publikationen auf unserer Plattform zu veröffentlichen. Grundsätzlich nehmen wir alle Tageszeitungen und Zeitschriften auf, die auch sonst im klassischen Print-, bzw. üblichen Pressehandel erhältlich und nicht verboten sind, bzw. nicht gegen Gesetzte verstoßen.
In Wartebereichen erreichen wir Menschen, die gerade nichts vorhaben. Verändert das, was sie lesen? Greifen die zu anderen Titeln als zu Hause?
Ich weiß es nicht. Technisch können wir gar nicht wissen, was unsere Leser zu Hause oder sonst wo lesen. Wir dürften es übrigens auch gar nicht. Ich hoffe es aber sehr! Denn wir legen enorm viel Engagement und Wert auf Abwechslung. Wir möchten unseren Lesern ständig etwas Neues, etwas Anderes und hoffentlich auch etwas Überraschendes anbieten. Wir möchten sie aus ihren Echokammern rausholen. Und wir möchten sie mit gut recherchierten Nachrichten und Reportagen unterhalten und informieren. Dafür sind wir unseren Verlagspartner enorm dankbar, dass wir auf fundiert recherchierte Berichte, Stories und Reportagen zurückgreifen können.
Wo hört unser Beitrag auf? Was kann eine Plattform wie unsere zur Pressefreiheit ausdrücklich nicht leisten?
Wir können keinen Nutzer unserer Plattform zwingen, irgendeine bestimmte Zeitung, ein bestimmtes Magazin oder einen bestimmten Artikel zu lesen. Wir können Nutzer allerding mit „der Nase darauf stoßen“, dass es einen interessanten, spannenden, lesenswerten oder einfach nur aktuellen Artikel gibt. Die Entscheidung, welche Zeitung, welche Zeitschrift, oder welcher Artikel tatsächlich gelesen wird, treffen Lesende für sich allein. Wir machen hier nur Angebote. Wichtig ist uns jedoch, dass dieses Angebot möglichst breit ist, so dass wir die Vielfalt der Presse darstellen können. Daher hat bei uns grundsätzlich jeder Verlag die Möglichkeit, seine Publikationen zu veröffentlichen. Vorausgesetzt, er hält sich an allgemein gültige Gesetze.
Wenn du eine Sache an unserer Branche ändern könntest, welche wäre das?
Das ist einfach! Das auch die sogenannten „sozialen Medien“ für die Inhalte, die sie veröffentlichen, die Verantwortung tragen. Jede Zeitung, jede Zeitschrift, d.h., jeder Verlag haftet für die Inhalte, die er veröffentlicht. Das ist sogar gesetzlich geregelt. Einigen Leserinnen und Lesern ist sie vielleicht schon einmal aufgefallen, diese merkwürdige Abkürzung, die im Impressum steht, bzw. gedruckt wird: „V.i.S.d.R.“. Ausgeschrieben „Verantwortlich im Sinne des Presserechts“ (oder des Pressegesetzes). Und hinter der Abkürzung steht dann der Name einer konkreten Person, eines real lebenden Menschen. Und dieser konkret benannte Mensch, in der Regel die Chefredakteurin oder der Chefradakteur, manchmal auch die Herausgeberin oder der Herausgeber, ist für die Inhalte verantwortlich. Und diese Verantwortung lässt sich auch nicht „weg-delegieren“. Das heißt, diese Person muss dafür geradestehen, was in der Publikation, für die sie verantwortlich ist, veröffentlicht wurde. Und diese Person haftet auch juristisch, sollten Lügen verbreitet werden. Und daraus leitet sich ebenfalls die Verpflichtung ab, falsche Informationen, die man ggf. trotz aller Sorgsamkeit veröffentlicht, bzw. verbreitet hat, kenntlich zu machen, bzw. darauf hinzuweisen, dass man falsche oder fehlerhafte Informationen verbreitet hat. Diese „Richtigstellung“ muss schnellstmöglich und prominent erfolgen. D.h., sie darf nicht irgendwo im Heft oder der Zeitung „verschwinden“. Und der Verlag muss sicherstellen, dass eine falsche oder fehlerhafte Information nicht weiter veröffentlich, bzw. in Umlauf gebracht werden darf. Wenn die gigantischen „Social Media“ Konzerne und Plattformen sich lediglich an die gleichen gesetzlichen Pflichten halten müssten wir ein ganz normaler Zeitungs- oder Zeitschriftenverlag, gäbe es „Fakenews“, d.h., unwahre Berichte, Mobbing, Hass und Hetze im Internet mit Sicherheit in einem so geringen Ausmaß, dass es kein bemerkenswertes Thema sein würde. Es könnte so einfach sein …
Was würdest du gerne im Zusammenhang zum Thema Pressefreiheit loswerden?
Aufgrund meines familiären und beruflichen Hintergrundes weiß ich, dass es ohne Pressefreiheit keine freiheitlich-demokratische Grundordnung geben kann. Stirbt die Pressefreiheit, stirbt die Freiheit insgesamt. So einfach ist das.